Christus oder Kirche

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Einfluss der Kirchen auf die Politik „Demokratisch skandalös“

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Tag für Tag„Demokratisch skandalös“ 31.12.2018

Einfluss der Kirchen auf die Politik„Demokratisch skandalös“

Carsten Frerk bezeichnet sich selbst als „evidenzbasierten Skeptiker“. In seinen Büchern befasst sich der Politikwissenschaftler kritisch mit dem Verhältnis von Staat und Religion. Die christlichen Kirchen seien mächtiger als andere Lobby-Organisationen, sagt er. Aber er sieht Veränderungen.

Carsten Frerk im Gespräch mit Christiane Florin

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Sozialwissenschaftler Dr. Carsten Frerk auf der Säkularen Woche der Menschenrechte 2018 (imago stock&people)

Dr. Carsten Frerk, Sozialwissenschaftler und Leiter der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland auf der Säkularen Woche der MenscheSozialwissenschaftler Dr. Carsten Frerk auf der Säkularen Woche der Menschenrechte 2018nrechte 2018 (imago stock&people)

Christiane Florin: Der Politikwissenschaftler Carsten Frerk recherchiert seit fast zwanzig Jahren, wie viel Geld die Kirchen vom Staat bekommen, welchen Einfluss Kirchen auf Gesetze nehmen und welche Politikerinnen und Politiker dafür besonders empfänglich dafür sind. Carsten Frerk hat den Humanistischen Pressedienst aufgebaut und er schreibt Bücher, zuletzt eines mit dem Titel „Kirchenrepublik Deutschland“. Seine Werke sind Bibeln für alle, denen die Trennung von Kirche und Staat, von Religion und Politik nicht weit genug geht.

Heute ist Silvester, benannt nach einem papstähnlichen Mann des 4. Jahrhunderts, von dem lange behauptet wurde, er habe Kaiser Konstantin von der Lepra geheilt und dafür ein kaiserliches Geschenk bekommen, den Lateran-Palast in Rom. Das stimmt nicht, was aber stimmt ist, dass Silvester Bischof von Rom war, als das Christentum auf dem Weg zur Staatsreligion war. Mit Carsten Frerk habe ich vor der Sendung gesprochen, und ich wollte zunächst von ihm wissen, ob es ihn ärgert, dass dieser prominente Tag nach einem Kirchenmann, nach einem Heiligen benannt ist?

Carsten Frerk: Nein, es ärgert mich gar nicht, weil ich denke, dass die meisten überhaupt diese Bedeutung gar nicht mehr kennen. Dass damit ein Papst verbunden ist, das ist, ja, wer weiß das schon?

Florin: Es freut Sie also, wenn immer weniger Deutsche wissen, was hinter Feiertagen oder hinter Namen steckt.

Frerk: Nein, nein. Ich denke schon und das ist auch, finde ich, schon wichtig: Wir sollten uns auch mit Religion beschäftigen, weil viele, viele Dinge sind eben nur über den Einfluss von Kirche und Religion zu verstehen. Deshalb ist es schon wichtig, auch eine Religionswissenschaft zu haben, eine Religionskunde, da bin ich absolut dafür. Es muss nicht ein Religionsunterricht sein einer Konfession. Das ist überflüssig.

Florin: Wie bezeichnen Sie sich eigentlich selbst: Atheist, Humanist, Freidenker? Dass Sie Politikwissenschaftler sind, weiß ich. Dass Sie nicht Kirchenkritiker genannt werden wollen oder nicht als solcher vorgestellt werden wollen, auch. Aber wie bezeichnen Sie sich selbst?

„Sogenannte Väter – Gottvater,  Heilige Väter – konnten mich nie beeindrucken“

Frerk: Ich bin mit einem abwesenden Vater aufgewachsen. Das heißt, Pastoren, Priester, Patres, sogenannte Väter, wie der der heilige Vater oder Gottvater, haben mich nie beeindrucken können, denn ich kannte diese Figuren gar nicht, habe keine Zuneigung oder Respekt oder Angst davor. Deshalb würde ich sagen, auf der Basis der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte, verstehe ich mich als evidenzbasierten Skeptiker. Bei Atheisten gibt es ja immer nur diese beiden schönen Stellen: Heinrich Böll hat in den „Ansichten eines Clowns“ gesagt, Atheisten sind langweilig. Frage: Warum? Ständig reden sie über Gott. Woody Allen hat gesagt, „Für Sie bin ich ein Atheist, für Gott bin ich die loyale Opposition“.

Florin: Also ein evidenzbasierter Skeptiker. Ist nicht ganz einfach auszusprechen, aber gut. Hat Religion in Ihrem Leben mal eine positive Rolle gespielt?

Frerk: Durchaus. Ich war, die ersten Jahre war ich nichtgetauftes Kind, sechs Jahre lang, glaube ich, im christlichen Zeltlager. Und deshalb kann ich heute noch viele Kirchenlieder besser singen als viele Kirchenmitglieder im Gottesdienst.

Florin: „Gott sei Dank“ oder ein anderes Stoßgebet, kommt das über Ihre Lippen? Oder ist das dann der evidenzbasierten Skepsis zum Opfer gefallen?

Frerk: Nein, nein. Das ist ja die christliche Prägung auch unserer Kultur und Prägung oder die Beeinflussung. Ich habe mit Michael Schmidt-Salomon ein Buch geschrieben: „Die Kirche im Kopf“.  Wo wir einfach mal so zusammengetragen haben, wie viele Begriffe und es, also, im Sprachgebrauch gibt, die teilweise gar nicht mehr so bekannt sind. Und auch diesen schönen Begriff: Heidenspaß statt Höllenqual. Denn alles, was die Christen ja dann ablehnten, Heidenlärm und Heidenspaß, und deshalb denke ich, habe ich mich damit schon beschäftigt.

„Eine Entdeckungsreise durch ein für mich unbekanntes Deutschland“

Florin: Sie haben Politikwissenschaft studiert.

Frerk: Ja.

Florin: Da gehört das Staatskirchenverhältnis nicht zu einem der wichtigsten Themen. In Ihrem Werk ist es aber das wichtigste Thema. Sie beschäftigen sich ganz besonders damit, wie Staat und Kirche unselig zusammenwirken – Ihrer Ansicht nach. Wie kamen Sie darauf?

Frerk: Es war zufällig entstanden. Ich hatte einen Roman veröffentlicht und dabei die Erfahrung gemacht, dass sich immer die Figuren verselbstständigt haben beim Schreiben. Was ich aber sehr ungewohnt fand und da habe ich gesagt, jetzt schreibe ich nur noch Sachbücher, keine Belletristik mehr. Und da war die schlichte Frage, was interessiert mich, was interessiert Verlage oder auch Menschen. Da war die Frage: Wie ist das eigentlich mit der Kirche bestellt in Deutschland? Das wird an jedem Stammtisch diskutiert. Und dann stellte ich fest, es gibt dazu kaum Literatur, ein Spiegel-Redakteur hatte das mal in den 60ziger Jahren probiert, ist schlicht dran gescheitert. Und ich habe dann das Glück gehabt, dass ich darüber schon so eine Schneise hatte und dann mit dem beginnenden Internet – das ist jetzt auch schon 18 Jahre her – doch mehr auf Quellen, auf Adressen, auf Telefonnummern gestoßen bin, als es in den 60ziger Jahren möglich gewesen wäre. Und das war für mich eine Entdeckungsreise durch ein für mich bis dahin unbekanntes Deutschland. Ich bin immer wieder zu meiner Frau gelaufen – über einen langen Flur – und habe gesagt: „Stell dir vor, die Benediktiner unterbieten mit ihren Druckereien die Preise der gewerblichen Wirtschaft als Gottesdienst“, und so was alles. Das hatte ich vorher überhaupt nicht wahrgenommen.

Florin: „Kirchenrepublik Deutschland“ heißt eines Ihrer Bücher. Das ist das Terrain, das Sie da, ja, erkundet haben, das Neuland, das Sie erst mal betreten haben. Nun gehören ja immer noch um die 55 Prozent der Deutschen einer der beiden großen Kirchen an. Was ist daran so skandalös an dieser „Kirchenrepublik“?

„Demokratisch skandalös“

Frerk: Es ist, finde ich, demokratisch skandalös, indem die Kirchen ohne irgendeine rechtliche Grundlage am Gesetzgebungsverfahren von Anfang an mit einbezogen sind. Es gibt eine gemeinsame Geschäftsordnung der Bundesministerien, also auch der Bundesregierung in denen genau geregelt wird, welche Lobbyverbände unter welcher Situation, in welchem Stadium und so weiter Zutritt haben  oder auch gehört werden. Bei den Kirchen ist das seit im Grunde Gründung der Bundesrepublik Deutschland ein automatischer Prozess, bei den ersten Formulierungen sind die schon dabei. Und das finde ich ist schlicht undemokratisch.

Florin: Aber es könnte doch im Sinne dieser gut 55 Prozent der Deutschen sein.

Frerk: Ich hoffe nicht, weil meines Erachtens sollte der Staat oder muss der Staat sich weltanschaulich neutral verhalten. Der Staat ist die Heimstadt aller Bürger, hat das Verfassungsgericht mal gesagt. Und durch diese so intensive Verquickung von Staat und Kirche, die ja auch personell, also dutzendfach und so weiter, stattfindet, wird diese Neutralität – für alle Bürger – nicht hergestellt.

Florin: Aber religionsneutraler Staat heißt ja nicht, dass Religion neutralisiert wird im Sinne, dass sie nicht vorkommt, sondern es heißt, es ist ein gleicher Abstand zu allen und es können ja auch andere Einfluss nehmen oder es nehmen ja auch andere Einfluss auf den Gesetzgebungsprozess, zum Beispiel organisierte Humanisten, organisierte Atheisten. Also, was ist an den Kirchen besonders skandalös?

„Die Kirchen sind vielfach mehr privilegiert“

Frerk: Sie sind so vielfach mehr privilegiert als alle anderen Weltanschauungs- oder Religionsgemeinschaften, und dass ist das Eigentliche. Wenn es diese gleiche Distanz gäbe – also Äquidistanz – dann müssten auch solche Humanisten-Tage finanziell gefördert werden, dann müsste es Professoren für Humanisten oder für säkulare Philosophie oder was immer geben, alles das gibt es nicht. Wir haben, glaube ich, 720 Professoren in der Theologie und keinen einzigen für Humanistik.

Florin: Ich habe hier eine Allensbach-Umfrage, die ist ungefähr ein Jahr alt, demnach sagen 48 Prozent der Deutschen, das Christentum solle eine bevorzugte Stellung einnehmen, 34 Prozent – also deutlich weniger – sagen, alle Religionen sollten gleichberechtigt werden. Eine relative Mehrheit sagt, das ist gar kein Problem, wenn die Kirchen bevorzugt werden. Sie rennen da gegen eine relative Mehrheit an.

Frerk: Na ja, diese Mehrheit schwindet von Jahr zu Jahr. Das neueste Datum – was mich auch überrascht hat – ist zum Beispiel, dass die beiden großen christlichen Kirchen in Köln nicht mehr die Mehrheit der Bevölkerung stellen. Und das ist ein Trend, der insgesamt in Deutschland auch weitergeht und weitergeht. Auch die Jugend wird von der Kirche im Grunde nicht mehr erreicht, das heißt diese sinnstiftende Situation, die die Kirche lange innehatte – nach dem Krieg noch als Heilskirche und so weiter – verflüchtigt sich immer mehr.

Florin: Ist es wie bei kommunizierenden Röhren, profitieren die Humanisten oder profitiert der Verband der Konfessionsfreien davon? Ich habe jetzt da keinen Mitgliederansturm bemerkt, in dem Sinne: die einen laufen den Kirchen weg und laufen anderen Organisationen zu.

Frerk: Nein. Die normale Reaktion ist, auch wenn ich mit Menschen darüber rede, dass sie sagen: Ich habe mir nicht das eine Brett vom Kopf abgenommen, um mir ein anderes Brett draufzusetzen. Das heißt, es wächst auch eine Jugend heran oder ist schon herangewachsen, die so pragmatisch ist, dass die sich von keinem organisieren lässt. Weltweit gibt es ja Studien, über die sogenannten Non-Affiliated oder jene, die sich keiner Religionsgemeinschaft zugehörig fühlen. Eines der Kennzeichen überall, in den USA, in Europa, so was, dass sie sich nicht organisieren.

Florin: Die Mehrheit reicht politisch nicht – oder vielleicht noch nicht –, um zum Beispiel die grundgesetzlichen Grundlagen zu ändern. Denn vieles von dem, was Sie kritisieren steht im Grundgesetz. Warum sind Sie offenbar nicht so überzeugend, dass es zu einer Grundgesetzänderung reicht?

Frerk: Oh je. Ich denke, die Kraft der Argumente ist gegen die Kraft eines Lobbyismus nur sehr schwach. Aber ich setze auf Folgendes, die beiden Kirchen verlieren im Schnitt im Jahr 0,6 Prozentpunkte ihrer Mitglieder. Das heißt, die beiden großen Kirchen werden ungefähr in vier oder fünf Jahren nicht mehr die  Mehrheit der Bevölkerung haben. Und da, denke ich, wird das Staatskirchenrecht auch drauf reagieren müssen, weil es nicht mehr normal ist – eben immer dieser Mehrheitsbegriff – Mitglied einer der beiden großen Kirchen zu sein. Dass dann einige tradierte Dinge sich verändern werden, da bin ich sehr froh. Dass sich zum Beispiel ein Institut für Weltanschauungsrecht – IFW – gegründet hat, wo doch namenhafte Rechtsprofessoren, Strafrechtler, diesen Anliegen, nach diesem rechtlichen Anliegen ein sehr klares Gehör verschaffen.

Florin: Was wäre besser, wenn die Kirchen weniger Einfluss hätten?

Frerk: Es gab früher diesen Satz „Von der Wiege bis zur Bahre – christliche Talare“, das heißt, diese ganze Lebensbegleitung. Und das ist immer noch vorhanden. Wenn es jetzt um 219a  geht, also, wo eine Ärztin, die darüber informiert, dass sie Abtreibungen vornimmt, bestraft wird, weil es sei Werbung – nur die Information wird schon als Werbung klassifiziert. Und wo dann im Augenblick ja auch der Streit drüber ist, wird das gestrichen, wird das modifiziert und was im Raum steht ist ein so windelweicher Kompromissvorschlag. Aber muss man sich wundern, wenn die beiden Parteivorsitzenden von der SPD und von der CDU sich im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken treffen und dort miteinander reden können? Mich wundert da gar nichts mehr. Daher ja auch dieser Begriff Kirchenrepublik.

Florin: Aber tun Kirchen nicht auch etwas für den gesellschaftlichen Zusammenhalt? Selbst Jürgen Habermas – der nicht als eifriger Christ bekannt ist – hat in diesem Gespräch mit Josef Ratzinger – ist nun schon eine Weile her, aber egal –, hat in diesem Gespräch mit Josef Ratzinger gesagt, dass Religionen für den vorpolitischen Raum wichtig sind, dass sie der Gesellschaft etwas geben können und nicht nur – wie Sie es jetzt darstellen – raffen und an Macht und Geld interessiert sind.

„Die Kirchen habe diese sinnstiftende Funktion nicht mehr“

Frerk: Können. Das Wort „Können“ ist völlig richtig. Aber tun sie es denn auch? Und da sehe ich einfach alle möglichen Belege, dass sie diese sinnstiftende Funktion, die die früher mal hatten – unbestreitbar –, nicht mehr haben. Es gehen von den Katholiken nur noch 10 Prozent regelmäßig in die Kirche und von den Evangelischen sind es nur noch 3 Prozent. Und wenn Sie sich mal, ich möchte ja auch dieses Forschungsgruppe Weltanschauung in Deutschland und bin mit diesen Zahlen immer wieder auch beschäftigt, wie viele der Kirchenmitglieder sich als nichtreligiös bezeichnen, deshalb ist das einfach immer, gehört zum Lobbyismus der Kirchen, zu sagen, wir sind wichtig und wenn es dann ganz schlimm wird, dann muss der alte Dostojewski ran: „Ohne Gott ist alles erlaubt.“

Florin: Das klingt ja jetzt etwas verschwörungstheoretisch.

Frerk: Nein, nein.

Florin: Wenn ich mir Mitgliederbefragungen anschaue der katholischen wie der evangelischen Kirche, dann stimmt es: Die meisten Menschen nehmen den Gottesdienst als Kernangebot überhaupt nicht in Anspruch, aber eine Mehrheit sagt: Ich finde es irgendwie wichtig, dass es die Kirchen gibt. Und Sie sagen, das ist Ergebnis einer erfolgreichen Lobby-Arbeit.

Frerk: Ja. Es fängt doch schon an mit der Kindestaufe, wo man sich nicht gegen wehren kann. Und dann die Schwierigkeiten dann auszutreten, weil dann ist die Großmutter traurig und so weiter. Dieses Ganze auch, was ich immer wieder erlebt habe, strukturelle Gewalt in der Fläche, wo man Leute mir sagen, ich bin ganz Ihrer Meinung, aber ich kann nicht aus der Kirche austreten, weil ich bin freiberuflich, selbstständig und das wäre für mich der wirtschaftliche Tod, wenn ich hier aus der Kirche austrete, weil ich würde sofort gesellschaftlich geächtet und gemieden. Und da kommen verschiedene Elemente zusammen, warum Religion immer noch diesen Platz beansprucht und auch zugebilligt bekommt. Wenn ich dann so sehe, was der Papst in den letzten Wochen im Grunde erzählt hat, also dieses Ding praktisch, dass eine Abtreibung ein Auftragsmord ist, da sage ich mir, und dieser Mann, der so über Frauen und über Ärzte redet, gilt als moralische Autorität?

„Die Häuptlinge habe keine Gefolgschaft mehr“

Florin: Aber man kann ihm widersprechen. Und es wird ihm ja auch widersprochen. Auch von katholischen Gläubigen. Man muss das ja nicht glauben, was der Papst sagt. Auch nicht als Katholikin und Katholik.

Frerk: Das ist völlig richtig und ich kenne da genügend Katholikinnen, die das überhaupt nicht so sehen und auch da sehr unglücklich mit sind. Das heißt also, diese alte These wirklich, die Häuptlinge, das heißt die ganzen Excellenzen, Eminenzen der hochwürdigsten Herren haben überhaupt keine Gefolgschaft mehr. Aber, welches Menschenbild steckt hinter diesem Mann als oberstem Vertreter, als Stellvertreter Gottes?  Was hat der Weihnachten in der Ansprache gesagt? Der Mensch ist gierig und unersättlich. Hallo, wo lebt der Mann eigentlich? Das heißt, diese ganze Restkategorie, das berühmte Böckenförde Diktum, das ist ein langes Zitat, wo ein Jurist und späterer Verfassungsrichter mal gesagt hat, der Staat beruht auf Voraussetzungen, die er nicht selber erzeugen kann und  da kommt eine ganz, ganz lange Begründung, warum das alles so ist und das hat die Kirche auf diesen einen Satz verkürzt, auf Überzeugungen, die er nicht selbst erzeugen kann, denn dafür braucht der Staat die Kirche. Das ist das Glaubensbekenntnis, was sie verbreiten, was überall, wenn die Bunderegierung zur Eröffnung der Legislaturperiode oder zur Bundesversammlung in die Hedwigs-Kathedrale in Berlin geht und alle singen. Und das ist dieser ganze Durchzug, der durch diese politische Klasse geht.

„Not lehrt beten“

Florin: Aber wenn ich jetzt auch noch mal evidenzbasiert drangehe, dann muss ich doch sagen, die Prognose, die Erwartung vieler Atheisten, Religionskritiker, dass mit der Aufklärung, mit dem Fortschritt in den Naturwissenschaften die Religiosität sinke, hat sich nicht erfüllt. Also, da scheint doch irgendwas im Menschen zu sein, was eine Sehnsucht hat, sich an einem höheren Wesen zu orientieren, vielleicht nicht alles immer ganz genau durchdenken oder beweisen zu müssen. Wie gehen Sie damit um? Dagegen kommen Sie ja offenbar nicht an.

Frerk: Wenn Sie da mal genauer hinschauen, dann sehen Sie auch, wo diese sogenannten Zuwächse entstehen und das ist, ich sage es mal sehr verkürzt: Not lehrt beten. Und das ist eben das Versprechen des Himmelreiches, dass auch die Ärmsten der Armen noch für die neuesten Brillanten des Bischofs das wenige Geld spenden, weil dadurch das Versprechen des Himmelreiches noch glaubwürdiger wird. Diese Fähigkeit der Kirche im Marketing Menschen verschiedenster Bildung, verschiedenster Lebenssituationen etwas anzubieten, auf das sie ihre Bedürfnisse, ihre Wünsche, ihre Hoffnungen projizieren können, das ist die Riesenleistung. Schauen Sie in die USA, schauen Sie nach Westeuropa, also eben in dann dort die Gegenden, wo auch tatsächlich die Frauen gleichberechtigt sind, gebildet sind und so weiter, da verlieren die Kirchen aber so eminent.

Florin: Kirchenmitglieder – auch vor allem Kirchenverantwortliche – müssten ja hocherfreut sein, wenn die Ihre Worte hören, denn Sie gestehen der Kirche wesentlich mehr Macht zu, als die sich selbst. In den Kirchen wird doch eher so ein Jammerton angeschlagen, das Ende der Volkskirchen, man hat weniger Einfluss, man setzt nicht mehr alle gesellschaftspolitischen Ziele durch. Nehmen Sie zum Beispiel die Ehe für alle. Das wird in der katholischen Kirche als Niederlage gesehen, dass die seit über einem Jahr staatlich erlaubt ist. Also, es stimmt gar nicht, dass der Lobbyismus überall zum Erfolg führt.

„Bischöfe beanspruchen Autorität“

Frerk: Nein, nein, ich habe nicht geschrieben Kirchenstaat Deutschland, sondern Kirchenrepublik. Und über die Verwendung des Wortes Republik heißt ja, dass es widerstreitende Interessen sind verschiedenster Organisationen, aber die Kirchen einen unangemessen hohen und auch intransparenten Einfluss haben. Das geht eben, wir hatten ja vorhin Abtreibung und Strafbarkeit wegen Werbung kurz angesprochen, bis dann zum Lebensende, indem der Bundestag am 6. November 2015 dieses Gesetz zur Strafbarkeit der geschäftsmäßigen Sterbehilfe verabschiedet hat, seitdem werden die Menschen alleine gelassen mit ihrer Not, denn kein Arzt traut sich mehr den Menschen dort zur Seite zu stehen, wie in den Niederlanden. Und gegen dieses Verfahren haben jetzt mehrere Organisationen Verfassungsbeschwerde eingelegt. Das liegt jetzt seitdem beim Bundesverfassungsgericht, was sich unglaublich schwertut, dazu anscheinend eine Beurteilung der Stellungnahme einzureichen.

Florin: Wir hatten am Freitag einen katholischen Theologen in der Sendung, Magnus Striet von der Universität Freiburg, der sagte, die katholische Kirche ist gar keine moralische Autorität mehr. Was Bischöfe von Kanzeln verkünden, gerade auch an hohen Feiertagen, das rauscht eigentlich an der Mehrheit der Menschen, auch an der Mehrheit der Katholikinnen und Katholiken vorbei. Also, wer hat nun von Ihnen beiden Recht? Sie sagen, wir sind noch eine moralische Autorität.

Frerk: Nein, nein.

Florin: Der Theologe sagt, sie sind es nicht.

Frerk: Nein, nein. Das habe ich, sie beanspruchen diese Autorität. Wenn nur noch 10 Prozent der Katholiken regelmäßig in den Gottesdienst gehen, dann sehen Sie schon daran, dass diese Häuptlinge keine Indianer mehr haben. Und trotzdem wird dieser Anspruch entwickelt und wird in allen Lobesreden – auch der geneigten Politiker – immer wieder, sozusagen, dargestellt. Und da fällt, was die Bevölkerung denkt, auch die Katholiken, die Kirchenmitglieder und das, was die Elite macht in den Parteien, in den hohen Kirchenfunktionen, völlig auseinander. Und diese Widersprüche, ich habe mal mit einem der führendsten katholischen Juristen auch diskutieren können – ich sage den Namen bewusst nicht –, der sagte dann, das war gerade diese Phase, das Meissner im Grunde nicht mehr Bischof war, und ich sagte: „Ich kann Ihnen darüber auch einen Witz erzählen“, und er sagte: „Ja, verschonen Sie mich mit Ihren säkularen Witzen über die Bischöfe, ich kann Ihnen Witze erzählen über den Klerus, da würden Sie sogar noch rot werden“.

„Religionsfreiheit ist auch die Freiheit von Religion“

Florin: Was sagt uns das?

Frerk: Wie halten das solche Leute aus? Dass sind die wichtigsten Vertreter der Amtskirche in dem Verteidigen ihrer Rechte, die so abfällig im Grunde über die Bischöfe reden, dass ich sogar rot werden würde. Ich kann das nicht unter eine Mütze kriegen.

Florin: Was müsste geschehen – politisch und kirchlich – damit der evidenzbasierte Skeptiker Carsten Frerk sagt: Das ist jetzt für mich eine erlösende, eine befreiende Botschaft?

Frerk: Die Kirchen müssten, wie es in der Weimarer Republik war, das ist ja die Veränderung von Weimar zu Bonn und jetzt Berlin, müssten so behandelt werden, wie alle anderen gesellschaftlichen Organisationen auch – so schlicht und ergreifend wäre das.

Florin: Und was müsste dafür geschehen? Wer müsste da aktiv werden? Der Gesetzgeber?

Frerk: Es müsste nur ein Satz im Grundgesetz ergänzt werden, der bei der Übernahme der Kirchenartikel aus der Weimarer Reichsverfassung nicht übernommen worden ist, und zwar, dass die staatlichen Gesetze Vorrang vor den Religionsgeboten haben. Also, es besteht eine Religionsfreiheit, das ist überhaupt keine Diskussion, da steht auch wirklich Recht in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte drin, das ist alles korrekt. Was ja auch heißt: Religionsfreiheit ist die Freiheit von Religion, nicht nur für Religion, sondern auch von Religion. Aber der Vorrang der allgemeinen Gesetzen vor Religionsgeboten. Dann hätten wir wirklich viel Chancengleichheit für alle auf dem Marktplatz von Weltanschauung und Religion sich zu verständigen, zu diskutieren und gemeinsam einen Weg zu suchen.

Florin: Aber das Grundgesetz formuliert doch nicht einen Vorrang religiöser Gebote vor weltlichen Geboten. Es gibt den Kirchen, es gibt den Religionsgemeinschaften eine Möglichkeit, sich selbst zu organisieren. Aber wir sehen doch hier zum Beispiel an der Arbeitsrechtsprechung, dass da Druck auf die Kirchen ausgeübt wird.

„Die Kirchen stellen einen rechtseigenen Raum da“

Frerk: Die Europäische Union hatte ja 2000 bis 2002 ihre Richtlinien zur Antidiskriminierung rausgebracht und daraufhin wurde dann 2006 in Deutschland nach heftigem Druck der Europäischen Union nun mal was zu tun, dieses allgemeine Gleichstellungsgesetzt verabschiedet, mit dem Artikel 9, dass die Kirchen Loyalitätsrichtlinien aufstellen dürfen, die nicht als Diskriminierung gelten. Ganz allgemein. Da sind viele Leute entlassen worden, weil sie sich wiederverheiratet haben oder weil sie homosexuell waren und das öffentlich wurde und so weiter alles. Was jetzt im abgelaufenen Jahr passiert ist, ist, dass der Europäische Gerichtshof Deutschland wieder auf diese europäische Richtlinie, dass diese Ausnahme nur für Leitungs- und Verkündigungspositionen gilt, auch in Deutschland gelten muss. Das heißt, mal so allgemein gesagt, die Kooperation als Kirche hat bestimmte Rechte, auch auf Artikel 114 Grundgesetz, ihre eigenen Angelegenheiten selbst zu organisieren. Aber sie hat dadurch nicht das Recht, in die allgemeinen Menschenrechte ihrer Mitglieder, ihrer Beschäftigten einzugreifen. Da hört es auf. Das ist jetzt die Abwägung, die auch von dem europäischen Gericht immer sehr klar gemacht wird und die sich auch allmählich – hoffentlich auch im deutschen Recht – dann eher darstellt.

Dieses Prinzip, dass die Kirchen ihre Angelegenheiten, ihre eigenen, selbstorganisieren, das ist wirklich so der Ausbau, dass die Kirchen selber einen rechtseigenen Raum darstellen, indem sie selber bestimmen, was zu ihren eigenen Angelegenheiten gehört. Und da haben wir dann wieder auch die Brücke zum Missbrauch, weil die Kirchen haben immer gesagt, Missbrauchsfälle von Klerikern sind unsere eigenen kirchlichen Angelegenheiten, die wir intern nach Rom melden und selber verhandeln, da hat der Staat nichts zu suchen. Es geht ja darum, die Kirche eigentlich, wie Papst und sagen, ja, hier, Riesenproblem und Riesenunglück und das darf nie wieder geschehen und so weiter heraus, aber es tut sich nichts. Das ist ja das Phänomen. Weil der Staat offensichtlich nicht bereit ist der Kirche klare Vorgaben zu machen, wie auch dort Priester sich zu verhalten haben oder die Kirche sich zu verhalten hat, sondern sie diesen eigenen, rechtseigenen Raum immer noch akzeptieren.

Florin: Würden Sie sich eine unabhängige Aufklärungskommission wünschen, wie es die zum Beispiel in Irland gegeben hat?

Frerk: Fände ich sehr sinnvoll.

Florin: Jetzt haben wir doch hauptsächlich mit dem Skeptiker über Kirchen und über die Religion gesprochen. Das scheint unvermeidlich. Herr Frerk, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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Written by Harald Wächter

2. Januar 2019 at 11:30

Dokumentation der Hexenverfolgung – Bambergs dunkle Vergangenheit

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20. November 2013 11:48

Dokumentation der Hexenverfolgung Bambergs dunkle Vergangenheit

1627 ließen die Bamberger Fürstbischöfe ein Foltergefängnis für die Hexenprozesse bauen, das Malefizhaus. Geblieben ist davon allerdings nichts.

(Foto: Stadt Bamberg)

In Bamberg wütete die Hexenverfolgung besonders grausam: Zwischen 1612 und 1632 wurden insgesamt etwa 1000 Männer, Frauen und Kinder gefoltert und ermordet. Die Stadt arbeitet die Episode vier Jahrhunderte später auf – und stellt auch die Frage nach der Schuld. …………….

Von Katja Auer

WDR klagt Kirche an – Wer falsch lebt, wird entlassen

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Essen.  Gerne stellen sich die katholische und evangelische Kirche als Wohltäter dar. Doch der Umgang mit ihren Angestellten ist von Kontrolle und Misstrauen geprägt, deckt eine WDR-Reportage auf. Die Kirche kann über das Personal entscheiden – auch wenn der Staat zahlt.

LINK:

http://www.derwesten.de/kultur/fernsehen/wdr-klagt-kirche-an-wer-falsch-lebt-wird-entlassen-id7534754.html

Kirchenkritische Bücher

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Die Vergangenheit ist Gegenwart

Der unselige Papst
Pius XII. und seine Verstrickung in die Verbrechen des 20. Jahrhunderts

… und warum der Vatikan ausgerechnet ihn seligsprechen will
von Matthias Holzbauer

Wie ein düsterer Untoter geistert er immer wieder durch die Öffentlichkeit: Papst Pius XII., den seine Nachfolger auf dem Papstthron immer wieder seligzusprechen versucht haben. Sein verhängnisvolles Schweigen zum Holocaust hat diesen Schritt bisher verhindert. Doch der Vatikan lässt nicht locker. Weshalb eigentlich?

Wer dieser Frage nachgeht, der findet viel mehr als nur die Schuld der Kirche gegenüber den Juden. Eugenio Pacelli hat eine ganze Epoche geprägt – und dabei jede Mange Leichen im Keller angehäuft: Rechtfertigung von Bürger-, Kolonial- und Weltkriegen, Bündnisse mit faschistischen Diktatoren, Vertuschung von Völkermord. Alles nur, um die Macht des Vatikan über die Seelen der Menschen (und über deren Geldbeutel) weiter zu mehren.

Der Journalist und Buchautor Matthias Holzbauer deckt die Strategie des Vatikans auf, die sich hinter frommen Worten und scheinheiligen Ritualen verbirgt: den Marsch zurück ins Mittelalter. Dagegen hilft nur entschlossene und fundierte Aufklärung. Denn wer schweigt, macht sich schuldig.

Buch, ca. 276 Seiten, kartoniert, mit 21 Abbildungen, 13,80 € + 1,00 € Versand (Ausland nach Aufwand), SFr 23,80, ISBN 978-3-9808322-6-7, Verlag DAS WEISSE PFERD, Max-Braun-Straße 2, 97828 Marktheidenfeld, Fax: 09391/504-210; Bestellen Sie das Buch über Internet-Shop. Oder per E-Mail an info@das-weisse-pferd.com.

 

Die Berichte über die

einzelnen Bewegungen

finden Sie z.T. auch im Journal

Das Friedensreich

(siehe im Inhaltsverzeichnis

bzw. im Stichwortverzeichnis)

Mehr lesen Sie unter:
http://www.das-weisse-pferd.com/02_04/urchristentum.html

Mutige Opfer der Kirche

Verfolgte Gottsucher
Der Strom des Urchristentums in der Geschichte

von Matthias Holzbauer

Sie wurden vertrieben, zwangsbekehrt, getötet. Doch so wie Pilze über Nacht aus dem Boden wachsen, tauchen sie immer wieder auf: spirituelle Bewegungen, die abseits der verhärteten Machtkirchen ein ursprüngliches, unverfälschtes Christentum anstrebten. Der Strom des Urchristentums ist in der Geschichte nie wirklich versiegt – und er strömt bis in unsere Tage …

Aus dem Inhalt: Markioniten, Montanisten, Manichäer, Origenes und die Arianer, Paulikianer, Iro-Schotten, Bogumilen, Katharer, Savonarola, Waldenser, Hussiten, Täufer.

Buch, 1. Auflage, Marktheidenfeld 2004, 112 S., kart., mit Farbbildern,  9,80 € + 1,00 € Versand (Ausland nach Aufwand), SFr 17,30, ISBN 978-3-9808322-5-0, Verlag DAS WEISSE PFERD, Max-Braun-Straße 2, 97828 Marktheidenfeld, Fax: 09391/504-210. Bestellen Sie das Buch bequem und einfach über Internet-Shop. Oder per E-Mail an info@das-weisse-pferd.com.


Lesen Sie Auszüge aus dem Buch unter: www.steinadler-schwefelgeruch.de

Religionsunfreiheit
in Deutschland

Geschichte und Gegenwart der Verfolgung religiöser Minderheiten
Der Steinadler und sein Schwefelgeruch
Das neue Mittelalter
von Matthias Holzbauer jetzt nur noch 14,90 €

Schon Jesus von Nazareth wurde von den Priestern und Theologen Seiner Zeit als „Feind des Kaisers“ bei der römischen Staatsgewalt angeschwärzt. Seit dieser Zeit wiegeln kirchliche Obrigkeiten immer wieder den Staat gegen die „Ketzer“-Bewegungen auf, die das Christentum in seiner ursprünglichen Form wiederbeleben wollen.
Und ähnlich wie im Mittelalter bekämpfen die Kirchen auch heute wieder neue religiöse Bewegungen mit den Mitteln des Rufmords und der Verleumdung. Am Beispiel der Urchristen im Universellen Leben zeigt der Journalist und Soziologe Matthias Holzbauer auf, wie bestimmte Kirchenvertreter heute die „religiöse Konkurrenz“ zu vernichten versuchen: Indem sie wiederum den Staat gegen religiöse Minderheiten aufhetzen. Der Staats-Adler soll zum Stein-Adler werden, der sich von den Kirchen dazu abrichten lässt, Steine auf die eigenen Bürger zu werfen, die das „falsche“ Gebetbuch haben …

Buch, 1. Auflage, Marktheidenfeld 2003, kart., 464 S., geb., mit zahlreichen Abbildungen;
14,90 € (neu) + 1,80 € Versand (Ausland nach Aufwand); SFr 26,30, ISBN 978-3-9808322-3-6, Verlag DAS WEISSE PFERD, Max-Braun-Straße 2, 97828 Marktheidenfeld, Fax: 09391/504-210
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PS: Hinsichtlich der Entwicklung bei den Urchristen ist im Buch der Stand aus dem Jahr 2003 nachlesbar.

Hier lesen Sie eine ausführlichere Buchbesprechung Das längst fällige Tribunal  Strafsache Vatikan
JESUS klagt an
von Uli Weyland

Ein längst überfälliger Strafprozess ist es, der in Rom unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet: Jesus von Nazareth selbst tritt als Chefankläger auf und konfrontiert in der Sixtinischen Kapelle beispielhaft 46 Päpste der Geschichte mit ihren Untaten – bis hin zum Ende des 20. Jahrhunderts.
Nicht zufällig wählt der Journalist Uli Weyland Rom als Schauplatz für seinen fesselnden Roman, der auf historischen Tatsachen beruht: Denn von dort breitete sich das Unheil über die Welt aus: Die Kirche, angeblich angetreten, um das „Seelenheil“ der Menschen zu retten und „Nächstenliebe“ vorzuleben, hat von Anbeginn an nur Machtinteressen verfolgt. Zu deren Durchsetzung ist ihr jedes Mittel recht gewesen: von Amtsmissbrauch über Erpressung, Fälschung, Justizmord bis zur Unterstützung von kriminellen Vereinigungen und Kriegsverbrechern. Sie schreckte nicht vor Verstößen gegen die Menschenrechte, vor Volksverhetzung und Völkermord zurück. All das wirft Jesus aus Galiläa den selbsternannten „Stellvertretern“ auf dem „Stuhl Petri“ vor. Albigenser bzw. Katharer, Hugenotten, Indianer, Moslems, Protestanten, Wenden – sie alle fielen dem Absolutheitsanspruch der Kirche zu Opfer, vor allem aber „Hexen“ und Juden. Mit der Inquisition wurde zunächst in Europa, später in der ganzen Welt die systematische Vernichtung aller „Ungläubigen“ betrieben.
In die Betrachtung von Michelangelos „Jüngstem Gericht“ versunken, wird Uli Weyland Zeuge dieses atemberaubenden Tribunals …

Buch, Taschenbuchausgabe, 1. Auflage, Marktheidenfeld 2002, kart., 528 S., mit Bildern, 19,80 € + 1,80 € Versand, (Ausland nach Aufwand), SFr 33,50, ISBN 978-3-9808322-2-9, Verlag DAS WEISSE PFERD, Max-Braun-Straße 2, 97828 Marktheidenfeld, Fax: 09391/504-210. Bestellen Sie das Buch bequem und einfach über Internet-Shop. Oder Sie schicken uns eine E-Mail an info@das-weisse-pferd.com

 

Diese Schrift wurde im Jahr 2004 als Klageschrift auch beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg eingereicht.

 

Die Brutalität hinter dem oberflächlichen Charme

 

Luthers totalitäres Regime vor Gericht
Eine religiöse Minderheit wehrt sich
von Christian Sailer         jetzt nur noch 4,90 €

In Deutschland ist die Weltanschauungs- und Religionsfreiheit massiv bedroht. Neue religiöse Bewegungen werden von den Kirchen pauschal als gefährliche Sekten gebrandmarkt und mit staatlicher Hilfe diskriminiert. Man verweigert ihnen Veranstaltungsräume, boykottiert ihre Geschäfte, nimmt ihnen Arbeitsplätze und Werbemöglichkeiten. Die Inquisition ist ist immer noch gegenwärtig – angezettelt von Institutionen, die darin seit Jahrhunderten Übung haben. An die Stelle von Scheiterhaufen und Mord treten heute Ausgrenzung und Rufmord.

Die vorliegende Schrift schildert, was eine religiöse Minderheit (Universelles Leben) hierbei erlebt hat und wie sie sich vor Gericht dagegen wehrte – in einem exemplarischen Prozess, in dem es um ein wichtiges Stück Freiheit geht. Der Text gibt die im Frühjahr 2002 eingereichte Klage wieder. Christian Sailer wurde als Anwalt von Bürgerinitiativen und Gemeinden bei großen Umweltprozessen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. In wissenschaftlichen Publikationen befasste er sich auch mit dem Verhältnis von Staat und Kirche.

Buch, 1. Auflage, Marktheidenfeld 2002, 144 S., kart., 4,90 € (statt wie bisher 9,80 €) + 1,00 € Versand (Ausland nach Aufwand), SFr 8,70; ISBN 978-3-9808322-0-5, Verlag DAS WEISSE PFERD, Max-Braun-Straße 2, 97828 Marktheidenfeld, Fax: 09391/504-210. Bestellen Sie das Buch bequem und einfach über Internet-Shop. Oder Sie schicken uns eine E-Mail an info@das-weisse-pferd.com.

 

Hier gelangen Sie über das Inhaltsverzeichnis zu den einzelnen Artikeln der Broschüre.

 

Die Falschmünzer Von der Wiege bis zur Bahre
Die Praktiken der Kirche – Das hat Jesus nicht gewollt
Herausgeber: Verlag Das Weisse Pferd

Von der Wiege bis zur Bahre ist das Kirchenmitglied eingebunden in ein festes Korsett von Ritualen und Zeremonien – der Katholik etwas mehr als der Protestant. Manche sprechen auch vom „vierrädrigen Christentum“ – Kinderwagen, Hochzeitskutsche, Leichenwagen (alle Wagen haben vier Räder), weil viele nur wegen dieser Rituale in der Kirche bleiben. Wobei der Begriff „Christentum“ hier mit Sicherheit fehl am Platze ist. Und eben darum geht es auch in dieser Broschüre: Aufzeigen, mit welchen Praktiken die Kirchen die Menschen an sich binden – und demgegenüber klarzustellen, was Jesus von Nazareth wollte – nämlich nichts von alledem.

Broschüre, 1. Auflage, Marktheidenfeld 2000, 2,50 € + 1,00 € Versand (Ausland nach Aufwand), SFr 4,30 Verlag DAS WEISSE PFERD, Max-Braun-Straße 2, 97828 Marktheidenfeld, Fax: 09391/504-210. Bestellen Sie das Buch bequem und einfach über Internet-Shop. Oder Sie schicken uns eine E-Mail an info@das-weisse-pferd.com.

Lesen Sie hier
Die wahre Wein-nacht“ –
eine Leseprobe aus dem Buch

Lesen Sie hier ein Interview mit dem
Autor
anlässlich der Neuerscheinung des Buches

Lesen Sie hier
eine ausführlichere
Buchbesprechung

Neu für alle Besitzer des Buches:
Das Sachregister zum Buch
Das Personenregister zum Buch

Die freundlichen Herren sind wieder unter uns

Die neue Inquisition
Sektenjagd in Deutschland
von Hubertus Mynarek
Mentalität, Motivation, Methoden kirchlicher und staatlicher Sektenbeauftragter

Das Buch führt den Leser in die Welt der Mächtigen in Staat und Kirche. Ihre Sorgen, ihre Aktivitäten, aber auch ihre Leidenschaften, ihre geheimen Wünsche und Perversionen zeigen dem Leser eine ihm bisher unbekannte Welt.
Obwohl Sie Dinge erfahren, von denen Sie bislang nicht einmal zu träumen gefürchtet hatten, obwohl das, was Sie lesen werden, Ihre Vorstellungskraft übersteigen wird, ist das Besondere an diesem Buch, dass alles, was darin beschrieben ist, wahr ist. Sie blicken in eine Jahrhunderte alte Tradition von dunklen Mysterien, von Okkultem und Sadismus, von Intrigen und weltlichem Glanz, und Sie erleben, dass diese Traditionen auch heute noch lebendig sind, lebendiger, als Sie sich je vorstellen konnten. Das Buch, das den Titel trägt „Die neue Inquisition“, beweist das Anliegen der Amtskirchen und der von ihnen abhängigen Politiker, die konfessionellen Traditionen zum Maßstab allen Handelns zu machen.
Zu den geschichtlich bedeutendsten dieser Traditionen gehörte Jahrhunderte lang der Massenmord, sei es an Hexen und Ketzern, sei es an Indianern oder Juden, sei es an anderen, deren Vermögen geraubt werden sollte.

Sie werden schwerlich eine Organisation finden, die so reich und so mächtig ist und so viele Verbrechen auf sich geladen hat wie die großen Amtskirchen. Sie werden aber auch viele Zusammenhänge nach der Lektüre dieses Buches besser verstehen lernen: warum z. B. sexuelle Perversionen und Kindsmissbrauch gerade bei Amtsträgern dieser Organisationen so verbreitet sind, warum Gewalt und Sexdarstellungen in den öffentlichen Medien von diesen Organisationen zwar öffentlich missbilligt, im Verborgenen jedoch finanziell gefördert werden, warum sie an der Waffenproduktion beteiligt sind und staatlich verordnete Tötung und Kriege befürworten …

Buch, 1. Auflage Marktheidenfeld 1999, 489 S., kart., 18,00 € + 1,80 € Versand (Ausland nach Aufwand), SFr 30,70 ISBN 978-3-9808322-1-2, Verlag DAS WEISSE PFERD, Max-Braun-Straße 2, 97828 Marktheidenfeld, Fax: 09391 / 504-210. Bestellen Sie das Buch bequem und einfach über Internet-Shop. Oder Sie schicken uns eine E-Mail an info@das-weisse-pferd.com.

 

 

 

 


Noch ist er unterwegs

 

Des Satans alte Kleider
Sektenjagd in Deutschland
von Matthias Holzbauer und Gert-Joachim Hetzel
Gott ist die Wahrheit – der Satan die Lüge
Die Prophetin Gottes sagt aus

Buch, 1. Auflage Marktheidenfeld 2009, 388 S., geb., 22,50 € + Versand, ISBN 978-3-89201-295-5, zu bestellen über den Shop des Verlages Das Wort:
http://www.satans-alte-kleider.de/

 

 

Nur eine einfache Seele Der polnische Papst
Bilanz eines Pontifikats
von Hubertus Mynarek

Aus der Reihe „Unerwünschte Bücher zur Kirchen- und Religionsgeschichte“, im Jahr 2005 im Ahriman-Verlag, Freiburg erschienen.

Bestellbar über die Versandbuchhandlung des Verlags DAS WEISSE PFERD für 19,80 € + 1,80 € Versand. E-Mail senden und bestellen: info@das-weisse-pferd.com

Jetzt wird er auch noch „selig“ gesprochen. Mehr dazu hier.

Die Herren im Talar noch auf dem hohen Ross !

Die beleidigte Kirche
oder: Wer stört den öffentlichen Frieden?
von Karlheinz Deschner

„Nach intensiver Beschäftigung mit der Geschichte des Christentums kenne ich in Antike, Mittelalter und Neuzeit … keine Organisation der Welt, die zugleich so lange, so fortgesetzt und so scheußlich mit Verbrechen belastet ist wie die christliche Kirche, ganz besonders die römisch-katholische Kirche“ (Karlheinz Deschner, S. 41).

Ahriman-Verlag, Freiburg 1986, bestellbar über die Versandbuchhandlung des Verlags DAS WEISSE PFERD für 4,30 € + 1,00 € Versand (Ausland nach Aufwand), SFr 8,50; E-Mail senden und bestellen: info@das-weisse-pferd.com

  Priester im Gegensatz zu dem Mann aus Nazareth Verrat an der Botschaft Jesu
Kirche ohne Tabu
von Hubertus Mynarek      jetzt nur noch 2,00 €

Der bekannte Religionswissenschaftler enthüllt als Insider unbekannte Interna der römisch-katholischen Kirche, die hinter den feierlichen Gewändern verborgen sind. Ein theologisches, kirchenpolitisches und gesellschaftskritisches Buch mit vielen unbekannten Fakten und Details aus der Welt der „schwarzen Herren“ und aus ihrem Denken, das aufzeigt, wie Anspruch und Wirklichkeit der Kirche auseinander klaffen und letztlich unvereinbar sind.

Verlag Das Wort, Rottweil 1986, bestellbar über die Versandbuchhandlung des Verlags DAS WEISSE PFERD für nur noch 2,00 € (früher 6,50 €)+ 1,00 € Versand (Ausland nach Aufwand); E-Mail senden und bestellen: info@das-weisse-pferd.com


Meldungen zum Zeitgeschehen: Das Weisse Pferd / Der Theologe aktuell



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TV-Programmtipp:
http://www.erde-und-mensch.org/de

Einige aktuelle Themen bzw. Links
:
Im Zwielicht: Die Berichterstattung der Main-Post

Die-Neue-Zeit-TV auf Astra Digital
Demokratie oder Papst und „Dämonkratie“

Die verschwiegenen Leiden und Organspender und Organempfänger

Die Bibel ist gefälscht

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Die Bibel ist gefälscht

Bildzoom

48 Seiten, Broschüre

 

Hieronymus, der kirchliche Bibelfälscher

Jahrhundertelang wurde den Menschen weisgemacht,

die Bibel sei das „wahre Wort Gottes“ – ein Anspruch,

den kaum jemand anzweifelte. Wenn auch Teile der Wahrheit

darin enthalten sind, so ist dennoch belegt: Die Bibel ist gefälscht. 

Wer sich mit dieser Vorstellung schwer tut, mag lesen,

was der Kirchenlehrer Hieronymus, der vom damaligen

Papst den Auftrag bekam, eine einheitliche Bibel

zusammenzustellen, selbst dazu sagt: „Wird sich

auch nur einer finden …, der mich nicht, sobald er

diesen Band (Bibel) in die Hand nimmt …,

lauthals einen Fälscher und Religionsfrevler schilt,

weil ich die Kühnheit besaß, einiges in den alten

Büchern zuzufügen, abzuändern oder zu verbessern?“ …

Inhaltsverzeichnis: Die Bibel ist gefälscht

Leseprobe: Die Bibel ist gefälscht


LESEPROBE

„Verwilderung“
„Die Tatsache, daß der neutestamentliche Text in dieser Periode seiner Entwicklung starke Veränderungen erlitten hat, zum Teil einer förmlichen Verwilderung unterlegen ist, kann nur die Unwissenheit leugnen.“
Der Theologe Jülicher

„Ein Chaos“
„Der Originaltext verschwindet immer mehr; man bemerkt die immer zahlreicher werdenden Widersprüche zwischen den Handschriften verschiedener Überlieferung und versucht, sie auszugleichen: Das Ergebnis ist ein Chaos.“
Die Theologen Hoskyns und Daveyl

„Heillos korrumpiert“
„Bis ins 18. Jahrhundert behauptete man, das Original des Markusevangeliums zu besitzen, und zwar sowohl in Venedig als auch in Prag; und beide Originale in Latein, das kein Evangelist je gebraucht hat. In Wirklichkeit existiert kein Original, blieb weder ein neutestamentliches noch überhaupt ein biblisches Buch in seinem ursprünglichen Wortlaut erhalten. Doch liegen auch die ersten Abschriften nicht vor. Es gibt nur Abschriften von Abschriften von Abschriften. Der heutige Text des Neuen Testaments ist ein Mischtext, das heißt, er wurde aus den verschiedensten Überlieferungen zusammengestückelt.
… Der Text des „Buches der Bücher“, heute in mehr als 1100 Sprachen und Dialekten verbreitet, ist also heillos korrumpiert.“
Karl Heinz Deschner: Abermals krähte der Hahn

Wußten Sie?
– Hieronymus bekam im Jahre 383 von Papst Damasus I. den Auftrag für die Herstellung eines einheitlichen lateinischen Bibeltextes.
– Hieronymus änderte die Evangelien an etwa 3500 Stellen.
– Hieronymus schrieb auch, daß nicht zwei Texte in längeren Abschnitten übereinstimmen und daß es ebensoviele Textformen wie Abschriften gibt; er wies auch darauf hin, daß „schwerlich die Wahrheit anzutreffen ist“, wo ein Text vom anderen abweiche.
– Das Neue Testament gibt es in nicht weniger als 800 Evangelien-Handschriften aus dem 2. bis 13. Jahrhundert. Die Zahl der Abweichungen und Verschiedenheiten in den ca. 1500 mehr oder weniger vollständig erhaltenen Texten ist enorm.
– Es existiert keine einzige Handschrift, die mit den anderen übereinstimmen würde. Theologen zählen 50 000 bis 100 000 Varianten.
– Man kennt 4680 griechische Handschriften des Neuen Testaments, von denen keine zwei genau denselben Text aufweisen.
– Trotzdem beharrt die katholische Kirche auf ihrer Lehrmeinung, daß das Alte wie das Neue Testament „wahres Wort Gottes“ seien. Auch für die evangelische Kirche ist sie „einzig Richter, Regel und Richtschnur“.

der fall des papstes GoogleSuche

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Written by Harald Wächter

28. April 2011 at 21:36

Die Politiker und der Papstbesuch

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Die Politiker und der Papstbesuch

„Ave Papa, die Höllengeweihten grüßen dich!“
Wer kam eigentlich auf die Idee, den Papst ausgerechnet zu einer Rede im deutschen Bundestag einzuladen? Nach eigener Aussage war es der CDU-Katholik und Bundestagspräsident Norbert Lammert, der bereits 2007 aus Anlass des 50. Jahrestags der römischen EU-Verträge diese Einladung ausgesprochen hatte. Jetzt, kurz vor Weihnachten 2010, habe der Papst die Einladung eben angenommen.

Wie ernst der Bundestagspräsident sein Amt nimmt, wenn er den letzten Diktator Europas zu einer Rede in einem demokratisch gewählten Parlament einlädt, steht auf einem anderen Blatt. Von so etwas wie Gewaltenteilung gibt es im Vatikan, diesem Ministaat von Mussolinis Gnaden, nämlich nicht mal einen Hauch, von Gleichberechtigung der Frau ganz zu schweigen, und die Europäische Menschenrechtskonvention hat der Vatikan bis heute nicht unterzeichnet. Könnte er bei den Zuständen auch gar nicht.

Wie haben nun die Politiker darauf reagiert? Bei CDU und CSU natürlich einhellige Zustimmung, ist doch klar! Aber ist es wirklich so klar? Dass die Katholiken Norbert Lammert und Hermann Kues (beide CDU) und Alexander Dobrindt (CSU) ihren Chef, sei er so undemokratisch wie er will, gerne reden hören, mag man noch verstehen. Wobei sie dazu ja auch nach Rom fahren oder Radio Vatikan aufdrehen könnten.

Doch was ist mit dem CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe, der vollmundig verlauten ließ: „Wenn der Papst im Bundestag redet, ist dies eine große Ehre für das Parlament.“ Normalerweise ist es doch für ein Staatsoberhaupt eine besondere Ehre, im Parlament eines demokratischen Staates reden zu dürfen. Hier soll es nun plötzlich umgekehrt sein? Was ist mit CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich, der die Papstrede, noch lange bevor sie gehalten wurde, schon als „besonderes Highlight auch der deutschen Parlamentsgeschichte“ preist? Was ist mit CDU-Fraktionsvize Volker Kauder, der sich für einen „großen öffentlichen Gottesdienst“ während des Papstbesuchs in Berlin ausspricht, denn „die Kirche solle auch zu einer missionarischen Präsenz“ in Berlin stehen?

Die drei genannten Herren, die hier, mehr als ihre katholischen Fraktionskollegen, vor dem Papst katzbuckeln, haben eines gemeinsam: Sie sind Lutheraner. Und sie haben eines noch nicht begriffen: Und wenn sie noch so sehr dem Papst zujubeln (und hoffen, dass ein wenig von seiner Publicity auf sie herunterrieseln möge), so bleiben sie in den Augen des obersten Katholikenpriesters doch nur protestantische Ketzer, die in der Hölle schmoren werden, so sie nicht rechtzeitig vor dem Tod noch katholisch werden.

Für die meisten Lutheraner ist die Doppelbödigkeit der katholischen Lehre und Botschaft offenbar so völlig jenseits ihres Horizonts, dass sie den schönen Worten der Päpste bereitwillig auf den Leim gehen und die bösartigen Abgründe, die dahinter lauern, nicht einmal im Traum wahrnehmen. Wobei damit nicht gesagt sein soll, dass die lutherische Lehre keine Abgründe hätte – man denke nur an die Prädestinationslehre und die damit verbundene Leugnung des freien Willens.

Wie ist die Vatikankirche wirklich gestrickt? Sie verfügt über ein von römischen Juristen über Jahrhunderte aufgetürmtes Dogmensystem, hinter das sie selbst nicht mehr zurückkann, selbst wenn sie es wollte: Was einmal zum Dogma erklärt wurde, bleibt ewig gültig – denn die Päpste sind ja angeblich jedes Mal unfehlbar gewesen, wenn sie neue Dogmen verkündet haben.

Die Vatikankirche bindet im Zeitalter der Meinungsfreiheit und der Menschenrechte ihre intellektuellen Grausamkeiten allerdings niemand so gern direkt auf die Nase. Da muss man schon zu einem Buch greifen, z.B. zum „Neuner-Roos“, „Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung“, gedruckt in 13., aktueller Auflage mit kirchlichem Imprimatur, versteht sich. Würden unsere CDU-Lutheraner einmal darin blättern, so könnten sie z.B. die Randnummer 381 finden:

„Die heilige römische Kirche … glaubt fest, bekennt und verkündet, dass »niemand außerhalb der katholischen Kirche weder Heide« noch Jude, noch Ungläubiger oder ein von der Einheit Getrennter [Anmerkung: Damit sind auch die Protestanten gemeint] – des ewigen Lebens teilhaftig wird, vielmehr dem ewigen Feuer verfällt, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist, wenn er sich nicht vor dem Tod ihr (der Kirche) [selbstverständlich der katholischen Kirche] anschließt.“

Und wer jetzt glaubt (glauben heißt bekanntlich: nicht wissen), dies sei ja seit dem 2. Vatikanischen Konzil anders geworden, der kennt erstens nicht die angeblich ewige Dauer wichtiger Dogmen. Und er könnte zweitens unter Randnummer 373 den Gegenbeweis finden: einen Text aus ebendiesem Konzil aus dem Jahr 1965:

„Darum könnten jene Menschen nicht gerettet werden, die um die katholische Kirche und ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit wissen, in sei aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollen.“

„Nicht gerettet“ heißt wiederum: Ab in die Hölle! Und es will doch kein deutscher Protestant, zumal ein Politiker, ernsthaft behaupten, er kenne die katholische Kirche nicht!

Also, Herr Kauder, es nützt Ihnen gar nichts, wenn sie besonders fromm sind oder gar „der „katholischste Evangele, den ich kenne“, wie Ihr CDU-Kollege Georg Brunnhuber einmal sagte. Und auch Sie, Herr Gröhe und Herr Friedrich: Das Dogma kennt in diesem Punkt auch für Sie keine Gnade. Lesen Sie nach, wie das gerade zitierte Dogma 381weitergeht:

„Mag einer noch so viele Almosen geben, ja selbst sein Blut für den Namen Christi vergießen, so kann er doch nicht gerettet werden, wen er nicht im Schoß und in der Einheit der katholischen Kirche bleibt.“

Wobei jetzt noch hinzufügen wäre, dass auch die Katholiken im wahrsten Sinn des Wortes höllisch aufpassen müssen: So sie nämlich auch nur eines der katholischen Dogmen nicht glauben – im Angebot wären z.B. Jungfrauengeburt, die leibliche Aufnahme Marias in den Himmel, Zwang zur Säuglingstaufe oder die Heilwirkung von Reliquien usw. – so ist auch der vermeintlich brave Katholik automatisch exkommuniziert!

Ob dies auch auf den Bundestagsvizepräsidenten Wolfgang Thierse zutrifft, mag er selbst beurteilen. Wenig verwunderlich ist jedenfalls, dass Thierse, der im Zentralkomitee der deutschen Katholiken sitzt, den geplanten Auftritt seines obersten Chefs bedingungslos unterstützt. Kritik aus den Reihen der Grünen an der geplanten Papstrede im Bundestag, so Thierse, sei „schlicht und ergreifend kleinkariert“. So ist das also: Wer auf die demokratische Integrität des deutschen Parlaments Wert legt, wird von dessen Vizepräsidenten, der gleichzeitig ein hochrangiger katholischer Kirchenfunktionär ist, als „kleinkariert“ beschimpft.

Ähnlich wie bei der CDU/CSU sind auch bei der SPD gerade die auf ewig verdammten Protestanten eifrige Verteidiger der Möglichkeit des Papstes, im deutschen Parlament zu reden. Thomas Oppermann z.B., Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD, findet, es sei „gut, wenn er im Bundestag spricht“. Die lutherische Kirchenfunktionärin Kerstin Griese MdB , EKD-Synodalin und im Bundesvorstand des Diakonischen Werks, erwartet zwar „deutliche Worte zur Ökumene und zu den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche.“ Doch zur Ökumene hat der Papst längst deutlich gesagt, dass er die Lutherkirche nicht für eine der Vatikankirche vergleichbare Organisation hält. Geht es noch deutlicher? Und zu seiner eigenen Verstrickung in die Kinderschänderverbrechen wird der Papst auch im Bundestag mit Sicherheit nichts sagen. Dabei ist offenkundig, dass er als Kurienkardinal spätestens 2001 über alle Verbrechen genauestens bescheid wusste, weil er nämlich die Unterrichtung seiner Behörde, der „Glaubenskongregation“, ausdrücklich zur Pflicht machte.

Immerhin äußert der SPD-Abgeordnete Rolf Schwanitz „Vorbehalte“ und will erst innerhalb der Fraktion darüber diskutieren. Schwanitz hat den Arbeitskreis „Laizistinnen und Laizisten in der SPD“ (www.laizistische-sozis.de) mit gegründet, der für eine Trennung von Staat und Kirche eintritt und von Kirchenfunktionär Thierse prompt ausgebremst wurde: Kein Auftritt auf der offiziellen SPD-Webseite!

Bei der FDP ist es wiederum der Protestant Stefan Ruppert, der den geplanten Auftritt des Papstes am meisten bejubelt. Er erwarte sich davon „wichtige Impulse“ für den Dialog mit den Religionsgemeinschaften. Doch wie soll dieser „Dialog“ aussehen? „Ihr müsst alle katholisch werden, sonnst landet ihr in der Hölle“ – das müsste der Papst allen Nicht-Katholiken sagen, wenn er ehrlich wäre. In seinen Lehraussagen steht es so drin. Wie gut, dass es doch in allen Parteien nützliche Naivlinge gibt, wird er sich denken, die gar nicht merken, dass sie selbst schon verdammt sind und mich trotzdem feiern.

Etwas turbulenter geht es bei den Grünen zu. Dass der katholische Kirchenfunktionär Josef Winkler (Zentralkomitee der Katholiken) den Papst unbedingt im Parlament reden hören will, ist klar. Dass es die lutherische Kirchenfunktionärin Karin Göring-Eckardt (EKD-Synode, Theologin und mit einem lutherischen Pfarrer verheiratet) auch will, passt in Bild, obwohl sie als hochrangige Lutheranerin eigentlich wissen müsste, was ihr nach katholischer Lehre blühen wird. Aber man genießt ja in ökumenischer Eintracht die Milliardensubventionen des Staates und die zahlreichen Privilegien, die der deutsche Staat den Kirchen zukommen lässt. Eher uniformiert ist wohl die Alevitin Ekin Deligöz, die zwar irritiert ist, „dass ein Kirchenoberhaupt sich auf eine so weltliche Bühne wie ein Parlament“ begibt – aber der Papst sei schließlich „unser Gast“. Frau Deligöz: Der Vatikan macht seit fast zwei Jahrtausenden auf der Weltbühne knallharte Politik! Und auch die Aleviten sind in vatikanischen Augen „Heiden“ und somit künftige Nahrung für das Höllenfeuer.

Wenig von „Gastfreundschaft“ am falschen Platz hält allerdings das grüne Urgestein Christian Ströbele, der ankündigte, das Plenum zu verlassen, sobald der Papst dort das Wort ergreife. Er nehme es dem Papst besonders übel, dass dieser sich in Lateinamerika nicht zur historischen Schuld seiner Kirche bekannt habe und als Präfekt der Glaubenskongregation immer wieder gegen Befreiungstheologen vorgegangen sei. Auch Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck bestand darauf, dass der Bundestag „weltanschaulich neutral“ bleiben müsse. Lasse man den Papst reden, so stelle sich die Frage, „welche Repräsentanten von anderen Religionsgemeinschaften man einlädt.“

Eine gute Idee! Wie wäre es z.B. mit Vertretern der religiösen Minderheiten, die beide großen Kirchenkonzerne seit Jahrzehnten als „Sekten“ verleumden und diskriminieren?

Außerdem, so Beck, sei der Papst intolerant gegenüber Schwulen und Lesben. Wobei „intolerant“, Herr Beck, noch ein harmloser Begriff ist. Nach katholischer Lehre ist die gesamt Bibel von Gott inspiriert – und darin wird unter anderem verlangt, Schule und Lesben zu steinigen …

Doch die Widerspenstigkeit einiger grüner Abgeordneter fand ein rasches Ende – weil Renate Künast Berliner Bürgermeisterin werden will. Und dazu braucht sie Stimmen aus dem konservativen Westberliner Lager. Also pfiff die Fraktionschefin ihre gegenüber dem Papst zu Recht misstrauischen Kollegen zurück: „Der Papst ist eingeladen, das ist in Ordnung so. Da gehen wir hin, und zwar respektvoll“. Immerhin plädiert auch Künast dafür, auch anderen Glaubensführern Rederecht einzuräumen. Siehe oben …

Ähnlich schwer wie die Grünen tun sich auch die Linken mit dem Papstbesuch. Am Ende ist die Mehrheit aber für die Durchführung der Rede. Gregor Gysi versteigt sich in einem Interview mit der Welt sogar zu der Aussage: „Im Augenblick sind nur die Kirchen in der Lage, einigermaßen allgemeinverbindlich Moralnormen zu formulieren.“ Als ob gerade die Vatikankirche nicht in ihrer ganzen Geschichte bewiesen hätte, dass ihre „Moral“ sich in ihrer eigenen Macht und „ihrem“ Geld erschöpft, das sie zuvor anderen weggenommen hat. Der konfessionslose Grüne Raju Sharma erwartet: „Der Papst hat sicher interessante Dinge zu erzählen.“ Immerhin protestiert der Abgeordnete Andrej Hunko („Nicht in meinem Namen“) auf seiner Webseite (www.andrej-hunko.de) gegen die Papstrede und fordert eine „Anti-Papst-Bewegung“.

Nur einer ist vollständig abgetaucht: Unser Bundespräsident Christian Wulff. Der ist zwar katholisch. Aber er weiß offenbar ganz genau: Als Geschiedener, der wieder geheiratet hat, ist er von den katholischen Sakramenten ausgeschlossen. Und nicht nur das: Ehebrechern droht nach der Bibel auch noch die Steinigung …

Ja, was wird das für ein Schauspiel, wenn der Papst tatsächlich im Bundestag sprechen sollte? Der Oberpriester einer Religion, die mindestens 5,7 Milliarden Menschen auf der Erde für „ewig verdammt“ hält – und die Mehrheit der Parlamentarier dazu? In der römischen Arena riefen die Gladiatoren: Ave Cäsar, morituri te salutant – die Todgeweihten grüßen dich! Was werden die Abgeordneten des Bundestags rufen: „Ave Papa – die Höllengeweihten, die auf ewig Verdammten grüßen dich!“?